ICM - Independent Chip Model

ICM, oder Independent Chip Model, ist ein Konzept, mit dessen Hilfe man aufgrund der Preisstruktur und Chipverteilung unter den restlichen Spielern, genau deren Equity, oder Wert, am Preispool oder generell im Turnier bestimmen kann. Diese Methode ist sehr komplex und muss daher nicht am Tisch selbst durchgeführt werden. Dafür gibt es Programme, oder Websites, die dies in Sekundenschnelle ausrechnen können. Allerdings sind solche Programme, während des Spiels, oft verboten, und dürfen nur zur späteren Nachanalyse benutzt werden. Die Werte, die man durch ICM Berechnungen erhält, können recht nützlich sein und allgemein hat dieses Modell sehr viele Vorteile. Allerdings gibt es auch einige Nachteile, da zum Beispiel bestimmte für Spiel wichtige Faktoren nicht in die Rechnung miteinbezogen werden. Dazu aber später mehr.

Was macht nun ICM Programm, um die Equity zu bestimmen? Nehmen wir folgende Situation an. 3 Spieler sind noch im Turnier, und 3 Plätze werden bezahlt (20%; 30% und 50% für den Sieger). Nun würde das Programm aufgrund der Chipstacks, für jeden Spieler die Wahrscheinlichkeit ausrechnen, mit der er auf einem bestimmten Platz landet. Wie gesagt sind diese Rechnungen recht kompliziert, aber man sollte eines wissen, nämlich das der Wert von Chips nicht linear ansteigt. Im Klartext heißt das, dass eine Verdoppelung der Chips nicht die eigene Equity verdoppelt. Ein Beispiel: Spieler A hält 4.200 Chips, Spieler B 6.800 und Spieler C 2.500. Ihre Equity beträgt 332$ (A), bzw. 386$ (B) und respektive 283$ (Spieler C). Man sieht, dass obwohl Spieler B deutlich mehr als doppelt so viele Chips hat wie Spieler C, ist seine Equity nicht mal annähernd doppelt so groß.

Diese Berechnungen wirken sich nun besonders auf All-In Pushes/Folds und All-In Calls/Folds aus. Diese sind besonders an der Bubble und im Geld sehr wichtig, und sollten daher von jedem SNG-Spieler (und evtl. auch Turnierspieler) beherrscht werden. Hierfür gibt es Trainingsprogramme, mit denen man solche Situationen simulieren und üben kann.

Allerdings hat die ICM Methode auch Grenzen und Schwächen. So wird ein Shortstack meist überschätzt, während ein Medium Stack unterschätzt wird. Weiterhin wird der Skill-Level ignoriert, und der taktische Vorteil eines Bigstacks. Außerdem werden keine zukünftigen Ereignisse miteinbezogen und auch die geposteten Blinds spielen oft keine Rolle. Zuletzt steht und fällt die Kalkulation mit der Einschätzung vom Gegner und dessen Pushing/Calling-Range. Natürlich ist diese bei den meisten ähnlich und wird vom Programm richtig bestimmt, allerdings gibt es auch immer Ausnahmen. Trotz dieser Limitationen sind ICM Berechnungen gerade für Sit and Go Spieler ab einem gewissen Limit unverzichtbar, und sollten auf jeden Fall ohne Probleme gemeistert werden.

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